Pflicht und Kür

Foto vom Hinrundenspiel gegen Weißenfels; Foto: Finkenzeller

Bundesliga-Floorballer vor wichtigem Doppelwochenende

Kaufering – Hauchdünn balancieren die Red Hocks Kaufering nach dem jüngsten Sieg gegen Hamburg über dem Playoff-Strich in der Tabelle. Platz 5 ist es, den die Mannschaft vom Lech gerade belegt. Rang 6 berechtigt zum Einzug ins Bundesliga-Viertelfinale. Der Abstand nach oben ist nicht allzu groß, doch auch ein Absturz ist bei einem Ausrutscher möglich. Am Wochenende warten gleich zwei Spiele in der Ferne. Das eine darf, das andere muss fast schon gewonnen werden. Pflicht und Kür – in umgekehrter Reihenfolge.

„Nachdem wir uns am letzten Spieltag in eine gute Ausgangsposition gebracht haben, wollen wir diesen Schwung ins Doppelwochenende mitnehmen“, sagt Kauferings Spielertrainer Daniel Szirbeck. Das wird vor allem eine Kopfsache. Denn sich Erfolgserlebnisse gegen Weißenfels, den Gegner am Samstag, zu erarbeiten, gehört mit zu den schwersten Disziplinen im deutschen Floorball. Der Vergleich der Saalestädter mit dem FC Bayern wird oft gezogen, trifft aktuell aber mehr denn je zu: Die UHC-Pokalvitrine ist prall gefüllt, für gewöhnlich kommt jede Saison ein Double-Sieg hinzu. Doch auch das haben die Weißenfelser mit den Kickern von der Säbener Straße gemeinsam: Die Dominanz vergangener Tage scheint zu bröckeln. Zwar ist die Tabellenspitze fest in der Hand der Sachsen-Anhaltiner, auch das Pokal-Halbfinale ist gebucht. Doch knappe Ergebnisse in den letzten Wochen lassen aufhorchen. Trotzdem, für die Red Hocks hängen die Trauben am Samstag hoch: „Uns steht der klar stärkere Gegner gegenüber, dementsprechend wird es wichtig für uns sein, mit einer taktisch disziplinierten Leistung ein allzu offenes und dynamisches Spiel zu verhindern“, blickt Szirbeck voraus. Ein Punktgewinn seines Teams wäre eine riesengroße Überraschung.

Bleibt die Sensation aus, gilt es, die Köpfe über Nacht wieder hoch zu nehmen und den beschriebenen Schwung aus dem Hamburg-Spiel wieder zu beleben. Denn der Kür, dem Darf-Spiel am Samstag, folgt das Aufeinandertreffen mit den Floor Fighters Chemnitz. Die Pflichtaufgabe, bei der es so wichtig wäre, das Punktepolster zumindest nicht abschmelzen zu lassen. Die Gastgeber taumeln momentan durch den Tabellenkeller. Sechs Punkte – einer davon ergattert in Kaufering – aus zehn Spielen bedeuten den mageren vorletzten Tabellenplatz. Woran die derzeitige Misere fest zu machen ist, warum der Knoten noch nicht platzt, ist schwer zu beurteilen: Die Talentschmiede des Vereins bringt jedes Jahr hochveranlagte Spieler hervor,  vor Saisonbeginn gelang dem Team mit der Verpflichtung von Nationalspieler Erik Schuschwary ein viel beachteter Coup. Auch die beiden Finnland-Exporte Teemu Manninen und Rasmus Hellström treffen regelmäßig. „Gegen Chemnitz bietet sich uns die Chance, uns weiter von den Play-Down-Rängen abzuheben“, weiß Szirbeck. „Wir müssen unser volles Potential abrufen. In der Hinrunde haben wir diesen Drahtseilakt gut getanzt.“ Zur Verfügung steht ihm und Kollege Niels Hauser ihm ein nahezu voll besetzter Kader. „Neben wenigen Absagen fällt momentan nur Lenni Renner verletzungsbedingt aus.  Das Tempo im Training war gut, wir sind vorsichtig optimistisch.“

Zeitgleich zum Aufeinandertreffen der Red Hocks mit dem UHC Weißenfels treten die Floor Fighters übrigens in Hamburg an. Unterliegen die Sachsen dort, dürfte der Zug in Richtung Playoffs langsam aber sicher endgültig ohne die Blau-Weißen abfahren. Kurios: Die kürzere Anfahrt von Samstag auf Sonntag steckt damit den Kauferingern in den Knochen.