Nervenstark zum „Jackpot“

Pure Erleichterung: Torwart Dominik Bürger, Miro Akerlund und die Red Hocks haben sechs weitere Punkte eingefahren. (Foto: Rubenwolf)

Pure Erleichterung: Torwart Dominik Bürger, Miro Akerlund und die Red Hocks haben sechs weitere Punkte eingefahren. (Foto: Rubenwolf)

Red Hocks mit Heimsiegen über Chemnitz und Dresden

Kaufering – Die Red Hocks Kaufering haben ihren Punktestand in der 1. FBL innerhalb eines Wochenendes verdreifacht. Der Sieg am Sonntag über Dresden war der dritte Erfolg in Serie, nachdem tags zuvor die Floor Fighters Chemnitz niedergerungen worden waren.

„Was für ein fantastisches Wochenende daheim“, jubelt Kauferings Trainer Henrik Nordström. „Diese beide Spiele zeigen, was passiert, wenn man eine Gruppe von Leuten hat, die bereit und willens sind, füreinander alles zu geben.“ Zweimal schoss sich sein Team einen Vorsprung heraus, zweimal waren in der Folge Penalty-Schüsse und Strafen zu überstehen, zweimal brachten die Red Hocks den Sieg als Außenseiter nach Hause.

Brauchten die Lechfloorballer im vorherigen Saisonverlauf stets eine Vielzahl an Chancen, um etwas Zählbares zu kreieren, so war die Effizienz gegen Chemnitz tadellos. Die Gastgeber gierten nach überfallartigen Angriffen und nutzten diese früh: Johannes Probst fand bei einem Durchbruch im Duell mit Floor Fighters-Goalie Lukas Thieme das kurze Eck (7.), Kapitän Benedikt Föhr (9.) setzte einen Schuss aus längerer Distanz flach ins Netz.

Einziges echtes Kauferinger Manko blieb die Anfälligkeit bei Freischlägen. Weil die Chemnitzer hier schneller schalteten, kamen sie durch Leevi Väänänen (14.) und Jussi-Pekka Raitanen (16.) zu einfach zum Ausgleich.

Im zweiten Drittel lieferten sich beide Teams ein Spiel auf Augenhöhe, Treffer gab es nur einen: Miro Akerlund traf im Nachsetzen aus dem Halbfeld. Nachdem Kauferings Jeremias Probst im Schlussdurchgang einen weiteren Distanzschuss (43.) erfolgreich anbrachte und Hannes Langenstraß (45.) rasch den Anschluss für Chemnitz markierte, folgte die hektischste Phase des Spiels: Zunächst vergab Aatu Tommila (49.) per Penalty die größte Chance zum Ausgleich, danach hatten die Red Hocks um Schlussmann Dominik Bürger noch zwei Strafzeiten (50., 53.) zu überstehen.

„Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung“, lobt Torwart Raphael Landherr, dessen Ausfalldauer nach seiner Verletzung aus dem Leipzig-Spiel wohl im Lauf dieser Woche bekannt wird. „Wechsel für Wechsel, Drittel für Drittel, das ganze Spiel über haben wir unsere Abwehrarbeit erledigt“, lobt Coach Nordström. „Auch wenn es eng wird, gerät keiner in Panik, niemand wird nervös uns es gibt absolut kein Ego. Vorne haben wir die Tore geschossen, die wir zum Sieg brauchten.“ Sieben Sekunden vor Schluss machte Jeremias Probst mit einem Schuss in den leeren Kasten den 5:3-Endstand fix.

Kurioses Spiel gegen Dresden

Tags darauf gegen Dresden wurde es zu Beginn des letzten Drittels kurios. In einem niemals giftigen Spiel häuften die Igels binnen kurzer Zeit so viele Strafen an, dass sich den Red Hocks ein Powerplay nach dem anderen bot – teilweise in zweifacher numerischer Überlegenheit.

Zu Beginn entwickelte sich ein Match auf Augenhöhe, bei dem die routinierten Gäste ihre Stärken aber besser auszuspielen wussten. Kauferings Attacken endeten meist früh, gleichzeitig mussten sich die Red Hocks höllisch hüten, der wohl stärksten Kontermannschaft der Liga nicht ins offene Messer zu laufen. Weil die Gastgeber bei einem Freischlag erneut nicht richtig aufpassten, stellte Florian Schreiber (13.) am Ende eines einstudierten Spielzugs aus ganz kurzer Distanz auf 0:1.

Im zweiten Durchgang zeigte sich, dass die jüngeren Kauferinger Beine den vielleicht entscheidenden Vorteil bringen würden. Die Red Hocks kamen zu einem Plus an Chancen, scheiterten aber zunächst eins ums andere Mal. Ganz anders die Igels: Aus zwei Powerplays machten Milan Tichy (26.) und Jakub Pecha (39.) zwei Tore. Dazwischen hielt Johannes Porbst die Kauferinger Hoffnungen durch eine hohe Balleroberung samt endlich erfolgreichem Abschluss am Leben (38.).

Weiter befeuert wurden diese durch die anschließende Strafenorgie. Dresden schleppte bereits eine doppelte Unterzahl ins letzte Drittel. Als dann noch ein weiteres Foul (41.) samt darauffolgendem Reklamieren von Tschechiens Ex-Nationaltorwart Martin Benes (41.) und eine rote Karte für Tichy, der voreilig nach Ablauf seiner Strafe aufs Feld zurückrannte (42.), dazukamen, wurde es eng auf der Strafbank und dauerte es einige Zeit, bis das Geschehen geordnet war. „Das war der Wendepunkt des Spiels“, findet Kauferings Angreifer Eetu Simola.

 

Jubel über sechs Punkte: Kapitän Benedikt Föhr und die Red Hocks behielten in gleich zwei ganz knappen Spielen die Oberhand. (Foto: Rubenwolf)

Jubel über sechs Punkte: Kapitän Benedikt Föhr und die Red Hocks behielten in gleich zwei ganz knappen Spielen die Oberhand. (Foto: Rubenwolf)

Zwar hätte sein Team deutlich mehr Kapital aus diesem Dauer-Powerplay ziehen können, immerhin der Anschluss durch Daniel Wipfler (44.) sprang aber heraus. Eine erstmals erfolgreich überstandene Kauferinger Strafe später gelang den Red Hocks dann der entscheidende Doppelschlag: Zunächst erspitzelte Calli Rieß einen Dresdener Aufbaupass, den er zum Ausgleich versenkte (53.), 18 Sekunden später steuerte Jeremias Probst seinen zweiten Gamewinner des Wochenendes bei: Der Youngster zog aus dem Halbfeld ab und überraschte Benes im kurzen Eck – 4:3.

„Wir haben gegen Dresden gezeigt, dass wir trotz einem Zwei-Tore-Rückstand zurückkommen können“, freut sich Coach Nordström. Erneut war noch eine Schlussoffensive zu überstehen und erneut stand die Führung bei einem Penalty auf Messers Schneide, doch Torhüter Felix Schröppel hielt stark gegen Liga-Topscorer Patrik Rozkovec. „Die Spiele boten einige Hürden und Widrigkeit, dennoch hat uns nichts davon aus der Bahn geworfen und wir haben mit sechs Punkten den Jackpot geknackt“, so Kauferings Trainer.

Am kommenden Wochenende ruht der Ligabetrieb aufgrund einer Nationalmannschaftspause. Am Samstag, 24. Oktober, wartet dann das Derby in München (18 Uhr). „Ein weiteres ganz wichtiges Spiel“, wirbt Simola um die dortige Unterstützung vieler Fans. „Ihr ahnt gar nicht, wie sehr uns das hilft, vielen Dank euch allen!“