(K)ein ganz normales Derby: Red Hocks siegen in Ingolstadt

Daniel Wipflers 1:0 für die Red Hocks beruhigte das erste Drittel merklich. Insgesamt kam der Allrounder auf zwei Treffer und eine Vorlage. (Foto: Finkenzeller)

Daniel Wipflers 1:0 für die Red Hocks beruhigte das erste Drittel merklich. Insgesamt kam der Allrounder auf zwei Treffer und eine Vorlage. (Foto: Finkenzeller) 

Kaufering – Rote Karten sind im Floorball eine echte Seltenheit – im Duell zwischen den Schanzer Ducks des ESV Ingolstadt und den Red Hocks Kaufering gab es gleich für beide Teams jeweils eine. Allerdings: Berechtigt gewesen sei keine davon, findet Gästetrainer Henrik Nordström. Johannes Schönmeier, sein Kollege auf Seiten der Gastgeber, sieht es etwas differenzierter. Am Ende eines umkämpften Spiels setzte sich der Spitzenreiter, der eine Drangphase zu Beginn des zweiten Durchgangs eiskalt ausnutzte, mit 1:6 durch.

Dass sich seine Mannschaft zu deutliche Durchhänger erlaube, in denen sie Spiele aus der Hand gibt, hatte ESV-Coach Schönmeier schon zuletzt konstatiert. Diesmal erwischte es die Schanzer zu Beginn des Mitteldrittels. Innerhalb von nicht einmal zwei Minuten bauten die Red Hocks ihre Ein-Tor-Führung auf 0:5 aus.

Zuvor waren sich beide Teams weitgehend auf Augenhöhe begegnet. „Ingolstadt kam kampfbereit auf das Feld und die erste Halbzeit war ziemlich intensiv“, schildert Nordström. „Wir waren körperlich extrem präsent, konnten wichtige Blocks setzen und hin und wieder offensiv gefährlich werden“, sah Schönmeier seinen Plan bis dahin aufgehen. Seinen Ducks sei klar gewesen, dass das Plus an Ballbesitz beim Tabellenführer liegen werde. „Deshalb lag der Fokus auf unserer Defensive, auf dem Auslösen gegen Kauferings aggressives Pressing und eigene offensive Nadelstiche.“ Das einzige Tor des ersten Drittels erzielte Daniel Wipfler, nachdem er sich in der Mitte etwas Platz verschafft hatte (13.).

Nach dem ersten Gang in die Kabine brachen dann kurz die Dämme beim ESV. „Kaufering hat unsere sehr schwache Phase im Stile einer Spitzenmannschaft abgestraft“, sah Schönmeier seine Ducks zu diesem Zeitpunkt immer zwei Schritte zu spät. „Unsere kleinen Anpassungen in der Pause erzielten sofort Ergebnisse“, freut sich indes Nordström. Den Knoten zum Platzen brachte Tobias Hutter, der gedankenschnell Calli Rieß bediente, sodass dieser aus kurzer Distanz traf (21.). Kurz danach nutzten die Red Hocks hohe Ballgewinne: Johannes Probst (22.), Benedikt Föhr (22.) und Marco Tobisch (22.) netzten ein. „Danach haben wir uns wesentlich mehr gefangen und haben wieder etwas mehr die Zweikämpfe angenommen“, findet Schönmeier.

Das letzte Drittel sei dann ein offener Schlagabtausch mit einigen Chancen auf beiden Seiten gewesen, so der ESV-Coach. „Die Stimmung in der Halle und auf den Bänken war durchaus auch eines Derbys würdig.“ Wipfler (45.) traf nochmal aus der Distanz, gut eine Minute vor der Schlusssirene steuerte Michael Bachmann im Powerplay den Ehrentreffer für die Gastgeber bei.

Zweit rote Karten: "Gab keinen Grund"

„Alles in allem bin ich mit unserer Leistung zufrieden, vor allem angesichts der chaotischen zweiten Spielhälfte“, fasst Kauferings Trainer Nordström zusammen. Seinem Geschmack nach sei das Schiedsrichterduo hier zu übereifrig gewesen. „Wir hätten das Spiel auch ohne rote Karten über die Bühne bringen können, denn für beide gab es keinen Grund.“ Zunächst erwischte es Toni Lahtinen „aus heiterem Himmel“, so Nordström, als dessen Schläger nach einem Rempler in seinen Rücken in den Laufweg seines Gegenspielers geriet (29.). „Für mich war das eher ein Haken als eine Tätlichkeit, weswegen ich das etwas überzogen fand“, ordnet Schönmeier ein.

In der 53. Minute endete die Partie dann für Nico Willkomm vorzeitig, dessen Ellbogen im Duell an der Bande das Gesicht von Kauferings Verteidiger Joe Föhr traf. „Diese Entscheidung kann ich durchaus nachvollziehen, nachdem ich mir das Video nochmal angeschaut habe“, so der ESV-Coach. „Ich hätte mir nur gewünscht, dass im weiteren Verlauf die Verhältnismäßigkeit gegeben gewesen wäre.“ „Es war ein Derby, es war intensiv“ – giftig sei es aber nie gewesen, findet Nordström. „Lasst uns einfach spielen.“

Seinen Red Hocks ist die Playoff-Teilnahme nach diesem Wochenende nur noch rechnerisch zu nehmen, am Samstag empfangen die Kauferinger die viertplatzierten Red Devils Wernigerode im Sportzentrum (18 Uhr).