Lehrgeld auch am Doppelwochenende

Moritz Billes räumte vor allem gegen Schriesheim defensiv einiges ab. Trotzdem reichte es noch nicht zum ersten Saisonsieg.  Foto: Finkenzeller

 

Kaufering – Eine Lehrstunde und eine unglückliche Niederlage stehen unter dem Strich des Doppelwochenendes. Gegen die Floor Fighters auch Chemnitz hatten das Bundesliga-Team der Red Hocks mit 4:14 keine Chance. In Schriesheim verpassten die Kauferinger erneut den Sieg. Mit 5:8 musste sie ebenfalls ohne Punkte nach Hause fahren. Trotzdem brachte das Wochenende viel Positives für die Roten vom Lech mit sich.

Wer die Floorball-Bundesliga in den letzten Jahren verfolgt hat, hatte mit den Floor Fighters Chemnitz immer einen Gegner im Kopf, bei dem man sich sicher sein konnte, dass es ein ziemlich enges und kämpferisches Spiel werden würde. In den letzten vier Jahren endete keines der zahlreichen Duelle mit mehr als vier Toren Unterschied. Mehr noch, die letzten drei Duelle zwischen Kaufering und Chemnitz endeten mit einem oder keinem Tor Unterschied, wobei jüngst die Sachsen immer das glücklichere Ende für sich hatten.

Die Sommerpause zeigte aber deutlich, das Chemnitz ihren Ruf als „die Unabsteigbaren“ nun ablegen wollen und seit nun mehr sieben Jahren überstandenen Playdowns endlich mal wieder um den Titel mitspielen wollen. Man startete ähnlich wie Wernigerode in den Jahren zuvor eine Transferoffensive mit finnischen Spielern. Mit dem sehr gut ausgebildeten FFC-Nachwuchs mit Hannes Langestrass oder Magnus Ernst-Scholz war schon vor der Saison klar, dass man unter normalen Umständen der Abstiegsangst fernbleiben sollte.

Die jungen Wilden der Red Hocks, die im Gegensatz zu den Ostdeutschen ihre beiden Auftaktpartien verloren hatten, starteten sehr stark in die Partie. Es dauerte nicht lange bis man sich die ersten klaren Torchancen rausspielte und schon in der ersten Minute das 1:0 durch Martin Rieß erzielen konnte. Nachdem man weitere Torchancen generierte und Chemnitz keine Luft zum atmen ließ, belohnte man sich in Minute fünf mit dem 2:0. Daniel Falkenberger wurde nach schöner Einzelaktion von Moritz Billes bedient und drosch die Murmel mit vollem Risiko ins Netz und konnte so seine Torpremiere in der ersten Bundesliga feiern. Allerdings war dann Schluss mit jubeln und feiern. Kaufering verschlief es weiter zu erhöhen und so konnten die Floor Fighters zum direkten Gegenschlag ausholen. In der achten Minute fand der zweite ernst zu nehmende Torschuss den Weg ins Netz von Dominik Bürger und ein paar Wimpernschläge später stellte Chemnitz nach einem Traumsolo plus Bauerntrick den Ausgleich her.

„Nach den ersten Minuten haben wir zu schnell Oberwasser bekommen und das hat Chemnitz eiskalt ausgenutzt“, so Red Hocks-Trainer Markus Heinzelmann. Apropos eiskalt, genauso machten die Gäste weiter, denn in den Minuten elf, 14 und zweimal in Minute 17 schlugen sie zu. Im ersten Drittel gaben die Chemnitzer zehn Torschüsse ab, wovon sechs den Weg ins Tor fanden.

Die Red Hocks mussten natürlich reagieren und irgendein Zeichen setzen. Man ersetzte zunächst Keeper Bürger durch David Winzinger. „Man kann Dominik keinen Vorwurf machen, aber wir brauchten irgendeine Reaktion auf den Rückstand“, so Heinzelmann weiter.

Das zweite Drittel begann zunächst mit dem ersten Überzahlspiel der Red Hocks in dieser Partie, welches Tobias Hutter mit dem 3:6 erfolgreich wieder beendete. Die aufkeimende Hoffnung wusste Chemnitz aber gut wieder zu zertrümmern. Nicht mal zwei Minuten nach dem Anschluss erhöhten die Chemnitzer schon wieder. Nach einer Strafe für Tizian Heinzelmann fiel in der fälligen Überzahl das achte Gegentor. Bis zur zweiten Drittelpause fielen noch die Tore neun und zehn auf Seiten der Chemnitzer.

Für das letzte Drittel setzte man alles auf eine Karte und stellte auf zwei Reihen um, in der es die erfahrenen Spieler nun richten sollten. Tobias Hutter belohnte sich mit seinem zweiten Treffer für seine kämpferische Leistung an diesem Tag. Doch wie in den Dritteln zuvor, bestrafte Chemnitz die kleinsten Fehler der Red Hocks weiterhin eiskalt. Mit vier weiteren Treffern bis zum Ende stellten die Ostdeutschen auf 4:14 und waren somit über Nacht Spitzenreiter vor Serienmeister Weißenfels. „Chemnitz hatte eine Effektivität an den Tag gelegt mit der wir nicht zurechtgekommen sind“, resümiert Stürmer Ricardo Wipfler.

Nach einer Nacht Pause ging es am nächsten Morgen Richtung Heidelberg zum Aufsteiger aus Schriesheim. Die Badener, welche mit Personalsorgen zu kämpfen haben, verloren am Samstag in Bonn und müssen auf den Langzeitverletzten Topscorer Alex Burmeister verzichten. So standen den Red Hocks, die mit voller Kapelle anrückten, nur elf Gegenspieler gegenüber.

Allerdings hatten auch die Bayern mit der ein oder anderen Blessur zu kämpfen, beispielsweise reichte es bei Luca Schmitz gerade mal für das Warm-up, bevor er mit Meniskusproblemen die Segel streichen musste.

Das Spiel begann ähnlich wie das am Tag davor. Die Roten machten Druck und gingen bereits nach wenigen Sekunden durch Ricardo Wipfler in Führung. Nach zwei weiteren Toren durch Hutter und abermals Wipfler, führte man zur Mitte des ersten Abschnitts mit 3:0. Schriesheim kam fortan jedoch besser in die Partie und konnte sich in Überzahl mit dem Anschluss belohnen. Endlich kamen die Dinge zum Vorschein, die man im bisherigen Saisonverlauf bisher noch vermissen ließ. „Die Wucht, die Zuversicht und der Spielwitz kamen wieder in die Mannschaft. Einzig und allein das Thema Chancenverwertung konnten wir uns im ersten Drittel vorwerfen lassen“, so Coach Christoph Huber.

Zu Beginn des zweiten Drittels schnürten die Gastgeber die Red Hocks förmlich in deren Hälfte ein. Man kam lediglich durch Konter zu Entlastungen. Einen nutzte man in der 22. Minute zur 4:1-Führung durch Hutter. „Schriesheim ist ebenfalls sehr konterstark und hat eine der gefährlichsten Offensiven der Bundesliga. Sie dauerhaft von unserem Tor fernzuhalten, ist quasi unmöglich“, erklärt Marco Tobisch nach dem Spiel. Denn Schriesheim gab sich noch lange nicht geschlagen und schlug zweimal in der 23. Minute zurück und stellte so auf 4:3 aus Kauferinger Sicht. In der 28. Minute gab es eine fragwürdige Penaltyentscheidung gegen die Red Hocks Kaufering, welche Schriesheim zum Ausgleich nutze. In Sachen Strafen waren die Schiedsrichter konsequent. Moritz Leonhardt musste in Minute 38 in die Kühlbox, worauf Schriesheim die fällige Überzahl zur Führung nutzte.

Das letzte Drittel nahm erst ab dem Ausgleich von Tobisch so richtig Fahrt auf. Es entwickelte sich ein Spiel auf Messers Schneide, bei dem beide Teams bewusst war, dass die erste Nachlässigkeit die Entscheidung sein könnte. Dennis Häringer zog in der 49. Minute eine Strafe, die Schriesheim erneut zum 5:6 aus Kauferinger Sicht nutzte. Ein wenig geschockt zeigten sich die Roten und so verpasste man es den erneuten Ausgleich zu erzielen. Zwei Minuten vor Schluss ersetzte man Goalie Bürger zugunsten eines sechsten Feldspielers, aber es half alles nichts. Schriesheim traf noch zweimal ins verwaiste Gehäuse der Red Hocks, und setzte so in letzter Minute den K.O.

„Wir dürfen nun nicht in Panik verfallen und den Spaß an der Sache verlieren! Die Punkte werden kommen“, ist sich Topscorer Hutter mit dem Ausblick auf die kommenden Spielwochen sicher.