U17

Herzschlaghalbfinale nach Red Hocks-Art

Mit seinem 4:3 gegen die Saalebiber Halle machte Benedikt Richardon – hier in einer Szene gegen den UHC Weißenfels – den entscheidenden Sieg seiner Red Hocks klar. (Foto: Fellner)

Siegtreffer in der Verlängerung: U17-Floorballer fahren zur deutschen Meisterschaft 

Halle – Dafür ist der Begriff Herzschlagfinale erfunden worden. Wobei, ein solches war es eigentlich gar nicht, in dem sich die U17 der Red Hocks die heiß ersehnte Qualifikation für die deutsche Meisterschaft gesichert hat. In einem hochspannenden entscheidenden Spiel gegen die Saalebiber Halle setzten sich die Kauferinger Junioren in der Verlängerung mit 4:3 durch – es war ein Herzschlaghalbfinale.

Auf einmal verschwand Kapitän Benedikt Richardon einfach. Einen kurzen Sprint in Richtung eigener Anhänger schaffte der 17-Jährige noch, dann hatten ihn eine Jubeltraube eingeholt um ihn zu rütteln, zu schütteln und schier nicht mehr auszuspucken.

Knapp dreieinhalb Minuten in der alles entscheidenden Verlängerung des Halbfinalspiels gegen die gastgebenden Saalebiber Halle sind gespielt, als Tizian Heinzelmann den Kopf hebt, den Ball annimmt und ihn in den freien Raum legt. Luis Hegner bindet seinen Gegenspieler, Richardon ist rechtzeitig gestartet, erläuft das Spielgerät und lupft es mit der Schlägerspitze zum 4:3 ins Kreuzeck. Es ist diese 49. Minute, in der seine Mannschaft ihr Ticket für die deutsche Meisterschaft Mitte Juni in Leipzig löst.

„Möglichkeiten wie diese haben wir das ganze Spiel über gesucht, um die Lücken im gegnerischen Pressing auszunutzen“, freut sich Trainer Rasso Schorer. Schon in den Minuten vor dem erlösenden Siegtreffer boten sich auf diese Weise mehrere Möglichkeiten zu Entscheidung. „Andrerseits sind wir auch immer wieder gefährlich hängen geblieben.“ Allein in der Verlängerung sei sein Team vier-, fünfmal knapp an der Entscheidung vorbeigeschrammt – die je nach Situation ebenso zugunsten Halles als auch Kauferings hätte ausfallen können. „Unterm Strich war viel Glück dabei, das wir uns aber auch erarbeitet haben.“

Zweimal hatten die Saalebiber in diesem Spiel vorgelegt. Das 1:0, ein Abpraller, bei dem Laurence Kubusch abstaubte (4.), glich Kauferings Jonas Fellner aus, als er einen langen Diagonalball Raphael Heinzelmanns per Direktabnahme verwertete. Auf das 2:1 durch Janosch Fuchs, einen Konter der Hallenser in Unterzahl (18.), fand Martin Rieß mit einem verdeckten Distanzschuss im noch laufenden Powerplay die rasche Antwort (19.). „Im ersten Drittel waren die Vorteile sicher bei den Saalebibern, im zweiten Durchgang waren dann wir die bessere Mannschaft“, fasst Schorer zusammen.

Recht ausgeglichen verlief indes der dritte Abschnitt, in dem es die Red Hocks waren, die erstmals vorlegten: Bei einem Einschlag aus der Ecke erkannte Daniel Falkenberger, dass sich unmittelbar vor dem Tor viel Raum auftat. Fellner schaltete ebenso schnell, seine Hereingabe kam an und Kaufering führte (33.). Wirklich lang hatte dieses 3:2 aber nicht Bestand. Vier Minuten vor Schluss verpassten es die Lech-Floorballer in Unterzahl, den Bereich vor dem eigenen Kasten sauber zu halten und Jannik Nitsche egalisierte. „Die Spannung in der Verlängerung füllte die ganze Halle aus“, beschreibt Schorer – ebenso wie der Freudenschrei Richardons, als die Welle seiner jubelnden Teamkameraden, die vom ganzen Feld und der Wechselbank aus losgerannt waren, über den Siegtorschützen hinwegschwappte.

Auf dem Weg ins Halbfinale hatten die Kauferinger sich mit 10:4 gegen den FC Stern München behauptet und den dezimierten UHC Weißenfels mit 7:1 geschlagen. Im Endspiel, das für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft keine Auswirkungen mehr hatte – beide Teams hatten ihr Ticket in der Tasche – unterlagen die Red Hocks den Floor Fighters Chemnitz mit 2:5.

„Die Mannschaft hat ein großes Herz und ist ganz klar im Kopf, deshalb werden wir uns sicher noch in einigen Punkte steigern“, blickt Schorer auf die verbleibenden Trainings bis zur deutschen Meisterschaft am 15. und 16. Juni voraus. Neben den Red Hocks und Chemnitz sowie Gastgeber SC DHfK Leipzig haben sich auch der ETV Hamburg, die SG Wellingsbüttel/Wyk und die SSF Dragons Bonn qualifiziert. „Das wird eine ganz heiße Kiste“, glaubt Schorer. „Wir gehen komplett ohne Druck rein und freuen uns einfach, dass der gemeinsame Weg in dieser Saison noch ein Stückchen weiter geht.“